Getreide
Historische Bedeutung in der menschlichen Ernährung
Getreide bilden die Nahrungsgrundlage eines Großteils der Menschheit. Sie sind entweder
Grundnahrungsmittel (Reis, Weizen, Mais) oder werden als Viehfutter genutzt (Gerste, Mais).
Den Ursprung des landwirtschaftlichen Anbaus vieler Getreidearten kann man nicht mehr nachvollziehen.
Jedenfalls ist das Getreide "Weizen" das, welches weltweit am häufigsten angebaut wird. Erst danach folgt der
Reis (hier würden die meistens die Reihenfolge andersherum vermuten). Man weiß jedoch, dass der Mensch schon
vor ca. 10.000 Jahren Getreide als Nahrung geerntet hat. Damals war die 'Mischung' des Teigs noch ein wenig einfacher:
Getreide wurde mit Wasser zu einem Brei angemischt und auf heißen Steinen zu einem flachen Brot gebacken.
Die Nährstoffe des Getreides
Die Bedeutung des Getreides kommt vor allem von seinen Nährstoffen. Getreide enthält alle wichtigen Nährstoffe
in einer optimalen Zusammensetzung.
- Eiweiß (9 % - 12 %)
- Kohlehydrate (63 % - 75 %)
- Fett (1,7 % - 7 %)
- Mineralstoffe (Kalzium, Eisen, Kalium, Magnesium)
- Vitamine (B1,B2,B6,E,Folsäure, Niacin)
- Ballaststoffe
- Wasser (ca. 14 %)
Trocknung
Da Getreide erst ab 14% Feuchte oder darunter sicher lagerfähig ist, aber meist je nach Witterung mit einer
höheren Feuchte gedroschen wird, muss die Feuchte durch Trocknen entzogen werden. Würde die Lagerung zu
feucht erfolgen, wären Schimmelbildung oder sogar Selbsterhitzung die Folge. Getreidetrocknung ist sehr energieaufwendig.
Da während der Ernte nicht gleich das gesamte angenommene Getreide getrocknet werden kann, werden in vielen
Mühlen Getreidepartien vorübergehend auf +7 °C gekühlt, bis sie ebenfalls getrocknet werden können.
Für die Vermahlung von Auszugsmehlen sind 14 % Feuchte allerdings zu niedrig, da die Schale bei der Vermahlung
zu sehr splittern würde und eine Trennung zwischen Kleie und Mehl schwieriger wird. Daher wird das Getreide
vor der Vermahlung, in Abhängigkeit von der "Glasigkeit" des Korns, wieder auf 16 - 17 % Feuchte aufgenetzt.
Bei der Erstellung von Vollkornmehl entfällt die Notwendigkeit des Aufnetzens. Das Splitten der Schale ist hier sogar
erwünscht. Denn je feiner die Schalenteile (Kleie) gemahlen werden, desto besser können sie bei der Teigerstellung Wasser
aufnehmen. Dies hat Einfluss auf die Feuchtigkeit und Schnittfestigkeit des Vollkorngebäcks. Je größer der Schalenteile
ausfallen, umso länger müssen diese bei der Teigbereitung vorquellen.
Lagerung und Vorratsschutz
Üblich sind Silos zur Einlagerung von Getreide, sogenannte Flach- und Hochsilos. Es werden aber auch einfache
Lagerhallen (Flachlager) als Zwischenlager verwendet. Die Überwachung und Pflege des Getreides im Lager
ist unbedingt erforderlich. Getreide atmet: Das heißt es findet Feuchtigkeitsumverteilung im Getreidekorn statt
und zum Teil auch Wasseraustritt – das Getreide "schwitzt". Dies begünstigt das Wachstum von Mikroorganismen.
Zudem sind ca. 40 % einer Siloschüttung Hohlräume. Der Luftzustand dieser Hohlräume bestimmt das "Klima" der
Schüttung. Daher ist eine ständige Überwachung von Feuchtigkeit und Temperatur erforderlich. Zu den Grundregeln der Lagerhaltung
gehört daher die Reinigung des Getreides vor der Einlagerung und ein Luftaustausch im Silo von Zeit zu Zeit. Getreide gilt unter
folgenden Bedingungen als lagerfest: Feuchtigkeit unter 14 %, Temperatur unter 20 °C, Besatz unter 1 %.
Bei der Einlagerung von Biogetreide werden Unkräuter nicht aussortiert. Getreide und Unkräuter gehen hier bei der
Lagerung eine Symbiose ein. Erst vor der Herrichtung des Getreides als Mahlgetreide werden die Unkräuter aussortiert.
Dadurch erhält das Biogetreide einen besonderen frischen Duft.
Zusätzlich erforderlich ist die Verhinderung des Befalls durch Vorratsschädlinge, oder deren Bekämpfung, wenn Befall eingetreten ist.
Die FAO schätzt die weltweiten Lagerverluste durch tierische Schädlinge in Getreidelagern auf ca. 10–30 %, dies entspricht
einem jährlichen Verlust von 180–360 Mio. Tonnen Getreide. In Deutschland dürfte die Verlustrate unter 1 % liegen,
in Entwicklungsländern dagegen häufig über 30 %!
Die auftretenden Schäden sind:
- Fraßschäden: Gesamtmenge nimmt ab; Selektionsfraß: nur Keimlinge oder Nährgewebe werden angefressen
- Verschmutzung: Kot, Urin, tote Tiere in den Nahrungsmitteln, Spinnfäden, Haare
- Veränderung an den Inhaltsstoffen: Ranzigwerden, Abnahme des Protein- oder Vitamingehaltes
- Folgeschäden: Geruchs- und Geschmacksveränderung, Veränderung der Backeigenschaften, Kosten für Beseitigung und Reinigung
Getreideverarbeitung in der Bäckerei Kusenberg
Alles Mehl, das verarbeitet wird, wird frisch aus den Getreidekörnern ermahlen. Es werden keinerlei
sonstigen Mehle verwendet. Bezugsquellen sind: Müller, Großhandel und Erzeuger.
Hauptsächlich wird das Mehl folgender Getreidearten verwendet:
- Weizen (40 %)
- Roggen (36 %)
- Dinkel (24 %)
In der Anfangszeit der Bäckerei wurde Roggen und Weizen in gleichen Anteilen verbacken. Dinkel wurde am
Anfang gar nicht verbacken. Durch langsame Verschiebung der Nachfrage, vor allem nach Dinkelgebäck,
ist der Roggenanteil gegenüber
Weizen und Dinkel stark abgesunken. Der Anteil des Dinkelverbrauchs ist im Trend immer noch ansteigend. Jedoch
ist ein Roggenanteil von 36 % des verbackenen Getreides für südbadische Verhältnisse dennoch beachtlich.
Weiterführende Links:
- Getreidesorten.de
- Wikipedia.de
- Entwarnung für Vollkorn
Vereinzelt gibt es immer mal wieder Stimmen, wie z. B. die vom Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, die vor dem Verzehr von Vollkornprodukten warnen.
Medien wie die Münchner Abendzeitung, das Männermagazin Men`s Health oder das Hessenfernsehen greifen diese in der Hoffnung auf Schlagzeilen bzw.
Einschaltquoten unkritisch auf und verunsichern viele Verbraucher. Der Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V. (UGB) stellt klar,
dass von der Kritik nur wenig zu halten ist.