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Badische Zeitung vom Samstag, 29. April 2006

Ist denn Bio drin, wo Bio draufsteht?

Eine Vielzahl von Siegeln für Öko-Lebensmittel verwirren beim Einkauf / Wie man die richtigen Produkte findet

Von unserer Mitarbeiterin Helga Riedel

Lebensmittel aus ökologischem Anbau verkaufen sich derart gut, dass inzwischen sogar die Discounter wie Aldi und Lidl daran nicht mehr vorbeikommen. Aber ein Wirrwarr von Verpackungsaufdrucken macht Kunden unsicher. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie tatsächlich Bio und Öko wollen.

An apple a day keeps the doctor away — das englische Sprichwort, ein Apfel am Tag halte den Arzt fern, hat offensichtlich seine Gültigkeit verloren. 17 verschiedene Pestizide — davon zwölf hierzulande verbotene — fanden von Ökotest beauftragte Chemiker in den 25 beliebtesten Apfelsorten. Und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) entdeckte in rund 60 Prozent aller untersuchten Lebensmittel Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Bei sieben Prozent davon überschritt die Menge die gesetzlichen Höchstgrenzen — so bei jeder dritten Probe Rucola-Salat und bei jeder fünften Paprika. Aber auch Johannis- und Himbeeren, Trauben, Aprikosen, Gurken und verschiedene Salate gehörten zu den am höchsten belasteten Obst- und Gemüsesorten.

Kein Wunder, dass sich laut Emnid-Ökobarometer vom Juni 2005 drei Viertel aller Konsumenten teils gelegentlich, teils regelmäßig für Bio-Produkte entscheiden. Kein anderes Lebensmittel-Marktsegment verzeichnet bessere Zuwachsraten. 2005 waren es 15 Prozent, der Gesamtumsatz stieg auf rund vier Milliarden Euro. In jedem Supermarkt bekommt man heute Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau. Handelsketten haben eigene Biomarken etabliert — wie Rewe mit Füllhorn oder Tengelmann mit Naturkind. Und selbst die Lebensmitteldiscounter bieten ein stetig wachsendes Bio-Sortiment.

Doch ist, wo Bio drauf steht, auch immer Bio drin? “Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie” , meint Barbara Hohl, Biologin bei der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. “Aber im Gegensatz zu herkömmlichen Lebensmitteln, bei denen ein ungeschützter Siegel-Dschungel herrscht, gibt es für ökologische Produkte ein gesetzliches Bio-Siegel. Es legt klare Standards fest und ist verlässlich.” Bio und Öko in allen Varianten sind heute geschützte Begriffe. Sie dürfen nur für Produkte verwendet werden, die die Anforderungen der europäischen Öko-Verordnung erfüllen. Als Garant dafür stehen die Öko-Prüfstellen mit Nummer und — wie bereits auf rund 31 000 ihrer Produkte — das staatliche sechseckige Bio-Siegel.

Etikettenschwindel ist damit kaum noch möglich. Das bestätigen unabhängige Organisationen. “Die von uns getestete Bio-Ware war einwandfrei und ist aus unserer Sicht eine klare Empfehlung für die Verbraucher” , so Manfred Krautter, Chemie-Experte bei Greenpeace. Nach Schätzungen des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland genügen sogar 80 Prozent der deutschen Öko-Lebensmittel schärferen Kriterien, als das staatliche Bio-Siegel vorschreibt. Denn die Anbauverbände des Ökologischen Landbaus wie Bioland oder Demeter haben sich selbst strengere Richtlinien auferlegt. So erlaubt beispielsweise die europäische Öko-Verordnung im Gegensatz zu ihnen den Zusatz von Dünger — Gülle, Jauche und Geflügelmist aus konventioneller Landwirtschaft und den Einsatz von Blut- und Knochenmehlen.

Die Europäische Union will die Regeln für Bio und Öko lockern

Bei den Bio-Anbauverbänden sind in der Lebensmittel-Verarbeitung 26 Zusatzstoffe erlaubt, beim staatlichen Öko-Siegel fast 50. Und bei Fleischprodukten gibt es keine gesetzliche Regel für Zusatzstoffe. Dennoch plant Brüssel, die Öko-Verordnung zu liberalisieren. Statt chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu verhüten, sollen ihnen natürliche nur noch vorgezogen werden. Gesundheitsbewusste Verbraucher müssen sich dann erneut in der Bio-Label-Flut auf die Suche nach glaubwürdigen Anbietern wie Bioland, Demeter oder Gäa machen.

Dass sich das lohnt, bestätigt eine Studie des Wiener Ludwig-Boltzmann-Instituts für Biologischen Landbau und der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000. Fazit: Bio-Lebensmittel sind nicht nur gesünder — sie schmecken auch besser. Selbst Kaninchen und Ratten knabberten bei Futterwahlversuchen lieber an Bio-Karotten und Öko-Äpfeln.

 

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